Dienstag, 12. Dezember 2017

Wahl des Wissenschaftsblogs 2017

Seit einigen Jahren ruft Reiner Korbmann (Wissenschaft kommuniziert) zur Wahl des Wissenschaftsblog des Jahres auf. Er benennt dabei zwei Ziele:
  • Erstens die besten und populärsten herausstellen,
  • und zweitens interessante Beispiele zeigen, wie jeder Forscher, jedes Institut, jeder Verantwortliche seine Informationen in die Öffentlichkeit des Internets bringen, seine Perspektive darstellen kann.
Anfang 2016 wurde Archaeologik zum Wissenschaftsblog des Jahres 2015 gewählt, Anfang 2017 hat es der Pfahlbauten-Blog auf Platz 3 geschafft. Beide sind wieder zur Wahl nominiert, aus dem thematischen Umfeld von Archaeologik aber auch noch Denkmale und Mittelalter unter dem Dach von SciLogs bzw. hypotheses. Insgesamt dominieren aber die Naturwissenschaften mit den Themen Klima und Astrologie die Liste der Nominierten, zur Wahl stehenden Blogs. Die Zahl der archäologischen und historischen Blogs, von denen viele allerdings auch nach nur relativ kurze Zeit wieder verschwinden oder inaktiv werden, wächst nur langsam. Blogs sind aber gerade auch für die Archäologie, wie allgemeiner für die Geistes- und Kulturwissenschaften ein wichtiges Medium, ihre Anliegen in die Gesellschaft zu tragen und in eine Kommunikation einzutreten. In Zeiten zunehmender fake-News und Intoleranz ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen, wie mit fremder Geschichte und Kultur jedoch grundlegend, um eine lebenswerte Gesellschaft zu erhalten oder zu schaffen. 
Ein gutes Abschneiden der geistes- und kulturwissenschaftlichen Blogs - wie zum Beispiel Archaeologik ;-) - wäre eine kleine Motivation, in dieser Richtung weiter zu gehen.



Abstimmen kan man bis zum 1.1.2018!




Interner Link

Sonntag, 10. Dezember 2017

Nikolaus - nicht auf dem Weihnachts- sondern auf dem Antikenmarkt

Eine Kirchengemeinde in den USA hat Reliquien von St. Nikolaus via ebay erworben - im Lot mit anderen Heiligen. Der Unterkiefer von "Nikolaus" wurde 14C-datiert und stammt tatsächlich aus dem 4. Jahrhundert. Natürlich lebten damals auch noch andere Menschen außer Nikolaus... Dass Reliquien vermarktet werden, hat auch schon lange zurück reichende Traditionen und ist fast schon selbst Kulturgut. Der voeliegende Fall ist aber insofern beachtenswert, weil er den sorglosen Umgang mit Provenienzen zeigt - nicht zuletzt bei ebay. 

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Immobilienirrsinn & Flächenverbrauch

Das betrifft auch die Archäologie, wobei eine Nachverdichtung in den Orts- und Stadtkernen nicht minder interessante archäologische Quellen zur Siedlungsgeschichte gefährdet und entsprechende denkmalpflegerische Maßnahmen erfordert, die auch sicher stellen müssen, dass eine Verknüpfung mit dem vorhandenen Baubestand möglich ist.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Advent, Advent...

Eine geruhsame Vorweihnachtszeit!

und zur richtigen Einstimmung das Archaeologik-Weihnachtsgedicht: 



Text: Rainer Schreg/ Brigitte Schreg, Sprecher: Axel Weiss (Besten Dank!!)
Dezember 2015


Freitag, 1. Dezember 2017

Alles vorbei? - Kulturgut in Syrien und Irak (Oktober/ November 2017)

Bereits im Oktober ist die Zahl der Pressemeldungen zu den Kulturgütern in Syrien und Irak merklich zurückgegangen - wohl unter dem Eindruck, Daesh sei weitgehend besiegt und das Problem sei damit erledigt.
Diese Sicht übersieht allerdings zweierlei: Zum einen waren Daesh nie allein die Übeltäter. Plünderungen und Beschädigungen gab und gibt es wohl bei allen Kriegsparteien. Das besondere an Daesh war, dass hier Kulturgüter mit politischer Absicht zerstört wurden, aus Hass gegen Traditionen, die der eigenen Herrschaftsansprüchen und Weltsicht widerprechen. An Daesh wurde zudem gezeigt (was man freilich bereits vor Jahren auch für die Taliban in Afghanistan zeigen konnte), wie der Antikenhandel mit der Terrorfinanzierung verknüpft ist.
Zur Diskussion um die Terrorfinanzierung:
Zum anderen sind die geplünderten Objekte bisher nur zu geringem Teil auf dem Antikenmarkt aufgetaucht. Zwar konnte anhand der offiziellen Importe in die USA ein leichtes Ansteigen bei Objekten aus der Krisenregion festgestellt werden (siehe Archaeologik 3.10.2016), doch scheint dies - völlig empirisch betrachtet - nur ein Bruchteil dessen zu sein, was aus den Abertausenden von Raubgrabungslöchern, die in Luftbildern deutlich zu erkennen sind, stammen muss. Es ist anzunehmen, dass Daesh und die anderen Gruppen bzw. die eigentlichen Raubgräber, die Daesh besteuert hat, zunächst an Zwischenhändler verkauft haben. Diese benötigen vor allem Zeit, um die Funde allmählich mit passenden Dokumenten und Legenden in den Markt einzuspeisen und diese formal zu legalisieren. Es wird also noch Jahrzehnte dauern, ehe die Raubgrabungsfunde einmal irgendwo öffentlich sichtbar werden.
Wahrscheinlich muss man hier auch unterscheiden zwischen dem Handel mit den alltäglichen Kleinfunden und jenem mit den "besseren", teureren Objekten, der sicherlich deutlich professioneller organisiert ist.  Das Journalistenteam Tarek Khello und Christian Werner zeigte gestützt auf Zeugenaussagen von Raubgräbern und Händlern in einem Beitrag des MDR die Handelswege von Raubgrabungsfunden aus Syrien nach Deutschland auf:
Daesh kassiert nach diesen Aussagen die Raubgräber und Händler vor Ort ab. Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass gefälschte Papiere zur Legalisierung in Deutschland produziert werden.


Thematisiert wurde im November in den Medien die Rolle von ebay, amazon und facebook, die ihrer Verantwortung nicht nachkämen, solch illegalen Handel zu unterbinden - wobei allerdings der Anteil der Fälschungen im Angebot sehr hoch sei.
 
In einem Daesh-Versteck wurden in Syrien zwei palmyrenische Grabreliefs sicher gestellt:

Schadensmeldungen


Allgemeine Meldungen



Engagement 

Unterstützung von Kollegen
über die Irakische Archäologien Layla Salih
A day for Mosul in Prag
Ungarische Arbeiten vor Ort

Wiederaufbau

Todesurteil gegen Mosul-Zerstörer

Die irakische Presse berichtet von einem Todesurteil  gegen einen Angehörigen von Daesh, unter anderem wegen seiner Beteiligung an den Zerstörungen im Museum von Mosul. So begrüßenswert es ist, dass jemand für die Zerstörungen in einem Prozeß zur Verantwortung gezogen wird, so unangemessen ist hier, wie generell, die Todesstrafe.


In eigener Sache

Mit diesem Bericht blicken wir auf zwei Monate zurück und durchbrechen damit erstmals den monatlichen Rhythmus der einschlägigen Blogposts auf Archaeologik. Neben dem Rückgang der Meldungen, spielt dabei auch eine Rolle, dass anstehende berufliche Veränderungen meinerseits derzeit eine andere Prioritätensetzung erfordern. Wahrscheinlich gehe ich mit den Blogposts zu Syrien und Irak nun generell zu einem längeren Zyklus über.

Links

frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

Dank an diverse Kollegen für Hinweise.